Mittwoch, 26. August 2015

Artikel über unser r-m-p Büro: Immobilie aus den 30er Jahren in Passivhaus umgebaut



Mission „Passivhaus im Bestand“ erfüllt:Energieverbrauch von 320 auf 10 kWh/ m² gesenkt!

Wenn ein Architekt und Spezialist für Passivhäuser sein eigenes Haus saniert und umbaut, kann das eigentlich nur gut ausgehen. Aber die Gewerbe- und Wohnimmobilie aus den 1930er Jahren in ein Passivhaus umzuwandeln, war sogar für Roland Matzig und sein Team eine große Herausforderung. 

Die Doppelhaushälfte der Familie Kronz-Matzig in Mannheim-Almenhof wurde in den 1930ern erbaut und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren wieder aufgebaut. Nicht gerade eine Zeit, in der besonders viel Wert auf Luftdichtheit und Dämmung gelegt wurde. Für Roland Matzig, Inhaber des Architekturbüros „r-m-p passivhaus architekten und ingenieure“, war es 2008 daher höchste Zeit, die energetische Sanierung seines eigenen Hauses in die Hand zu nehmen. Der Energieverbrauch sollte nach der Sanierung mindestens 50 Prozent unter den gesetzlichen Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) liegen.  Ob er es schaffen könnte, sogar ein Passivhaus daraus zu machen, war zu Beginn nicht klar. 



Ein Maximum der Bausubstanz erhalten

Da für Matzig bei seiner Arbeit vor allem der bauliche Umweltschutz im Vordergrund steht, wollte er nicht nur ein energieeffizientes Haus gestalten, sondern dabei auch noch möglichst wenig Ressourcen verbrauchen. Also war das Ziel, so viel wie möglich der vorhandenen Bausubstanz zu erhalten. Die Wände mit Teilen des Putzes, die Decken und die Sparren des Daches blieben daher stehen, als im November 2008 die Bauphase begann. Aber die alten Wandbeläge mussten ebenso entfernt und erneuert werden wie die Fenster, Türen, Treppen und die gesamten Sanitär- und Elektroinstallationen.



Wohn- und Gewerbenutzung in einem

Das Erdgeschoss erhielt eine räumliche Erweiterung, da es wieder gewerblich genutzt werden sollte. Das Haus war bis 2003 bereits geschäftlich genutzt worden – ähnlich wie viele Immobilien in der Brentanostraße im Almenhof. „Das Quartier hatte durch die Mischung von Wohn- und Gewerbenutzung lange Zeit einen ganz eigenen Charakter. Aber die meisten ursprünglichen Geschäfte und Gewerbeeinheiten in dieser Straße wurden geschlossen und in Wohnungen umgewandelt“, erzählt der Architekt. Er wollte den ursprünglichen Charakter der Straße wiederbeleben und schaffte beim Umbau daher ausreichend Platz für neue Büroräume. Dort geht nun seit 2009 das komplette Team der r-m-p Architekten seiner Arbeit nach. Die beiden Anbauten sind aus Holz errichtet worden und passen sich dem bestehenden Gebäude gut an. Im 1. und 2. Obergeschoss entstand durch den Umbau eine offen gestaltete Maisonettewohnung.


Energetische Maßnahmen
Dass Familie Kronz-Matzig nun in einem Passivhaus lebt und arbeitet, ist vor allem dem Erreichen einer hohen Luftdichtheit zu verdanken. Das bedeutet, es strömt keine warme, feuchte Luft von innen nach außen – bei der Sanierung von Bestandsgebäuden eine große Herausforderung. Aber nur so kann die Wärme im Inneren des Hauses gehalten und Energie gespart werden. Außerdem verhindert eine luftdichte Gebäudehülle, dass Bauteile durch die mitgeführte Feuchtigkeit der nach außen dringenden Raumluft beschädigt werden. Bei dem Haus im Almenhof mussten zu diesem Zweck unter anderem die Außenwände nachgeputzt werden.

Ein wesentliches Element eines Passivhauses stellt die Lüftungsanlage dar. Sie sorgt für anhaltend frische Luft im Gebäude und daher für einen hohen Wohnkomfort. Das Lüften durch Öffnen der Fenster wird überflüssig. Auch kalte Luft gelangt so nicht immer wieder in das Gebäude herein und muss durch hohen Energieaufwand aufgeheizt werden. Die Anlage arbeitet mit Wärmerückgewinnung, das heißt sie nutzt die vorhandene Wärme im Gebäude um nachströmende Luft der Zimmertemperatur anzupassen. Da das Haus im Almenhof mit Büro und Wohnbereich zwei verschiedene Nutzungsbereiche beherbergt, wurde hier jeweils eine eigene Lüftungsanlage eingebaut. 


Wenn die Heizung überflüssig wird

Durch eine intensive Dämmung, die Herstellung einer luftdichten Gebäudehülle und den Einbau der Lüftungsanlagen ergab sich schließlich ein sehr geringer Energieverbrauch. Neue Türen, dreifachverglaste Fenster und eine wirksame Dämmung taten ihr übriges, damit sich der Bauherr von der alten, überdimensionierten Gasheizung verabschieden und diese durch eine hocheffiziente Wärmepumpe ersetzen konnte. Diese ist, in Kombination mit einer thermischen Solaranlage, aber hauptsächlich für das Warmwasser verantwortlich und zieht ihre Energie aus der Erdwärme. Das Beheizen der Räume muss sie nur unterstützen, wenn die Sonne und interne Wärmequellen wie z.B. elektronische Geräte und Bewohner einmal nicht genug Wärme produzieren.

Durch diese energetischen Maßnahmen konnte der Energieverbrauch massiv gesenkt werden und das Haus ist schließlich doch noch ein „Passivhaus im Bestand“ geworden. „Und zwar das erste in der Metropolregion Rhein-Neckar“, freut sich Bauherr und Architekt Roland Matzig.

Dämmung

Bei der Sanierung wurde auf die Außenwände ein Wärmedämm-Verbundsystem mit 26cm Mineralwolle-Dämmung aufgebracht. Dieser Dämmstoff kann leicht komprimiert werden und eignet sich daher gut, um Lücken und Unebenheiten auszugleichen. Die neuen Holzanbauten erhielten eine XPS-Dämmung (Polystyrol). XPS-Platten werden häufig zur Dämmung von erdberührten Bauteilen verwendet, da sie keinerlei Feuchtigkeit aufnehmen.



Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Durch die gedämmte, luftdichte Außenhülle ist ein konventionelles Heizsystem überflüssig. Stattdessen besitzt das Haus eine geregelte Zu- und Abluftanlage mit einer Wärmerückgewinnung von mehr als 90 Prozent. An sehr kalten Tagen wird die Lüftungsanlage durch ein Heizsystem mit Warmwasserspeicher unterstützt. Das Wasser wird von einer Wärmepumpe mit Erdwärmesonden sowie von solarthermischen Modulen erwärmt. Es werden also ausschließlich regenerative Energien genutzt.



Energieeffizienz

Der Heizwärmebedarf des Gebäudes liegt bei 10,9 kWh (Kilowattstunde) pro m² im Jahr. Dieser Wert kann mit einem Verbrauch von 1,26 Litern Heizöl pro m² und Jahr verglichen werden. Vor der Sanierung lag der Heizwärmebedarf bei 320 kWh.


Der Bauherr

Roland Matzig ist Diplom-Architekt und zertifizierter Passivhausplaner. Er leitet zusammen mit seinem Partner Guiseppe Debole das Unternehmen „r-m-p passivhaus architekten und ingenieure“ in Mannheim und hat für das beschriebene Bauprojekt im Jahr 2011 den EnergieEffizienzAward der Firma SAINT GOBAIN-ISOVER G+H AG gewonnen. Für die Förderung und Etablierung des Passivhaus-Baustandards in der Metropolregion Rhein-Neckar erhielt das Architektenbüro außerdem im selben Jahr den Umweltpreis der Stadt Mannheim sowie den Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg.

Die Büroräume des Passivhauses im Almenhof sind öffentlich zugänglich und dienen als Anschauungsprojekt. 


Dieser Text stammt von
Ambo Media GmbH – Projektbüro Energy Awards & Academy 
Dr. Thomas Clark 
 Harvestehuder Weg 21
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Vielen Dank, dass wir ihn übernehmen durften.