Freitag, 25. September 2015

Passivhaus hingetürkt?

Als Ergebnis eines Passivhaus-Vortrags in Istanbul wurde Roland Matzig nach Gaziantep/Türkei eingeladen. Dort wird eine Öko-Siedlung für 50.000 Einwohner entstehen. Schnell war klar, dass das erste Gebäude in Passivhaus-Qualität gebaut werden sollte. Es war damit auch das erste Passivhaus in der Türkei überhaupt.
Das sogenannte „Human-Resources-Center“ sollte als Ausstellungs- und Informationszentrum über energieeffiziente Bauweise dienen und dabei als Passivhaus auch Leuchtturmcharakter haben. Das war nicht nur eine tolle Idee, sondern auf Grund der lokal gebräuchlichen Bauweisen eine riesen Herausforderung.
Deshalb schien es klug ein Büro mit Passivhaus-Erfahrung mit der Planung und Durchführung zu beauftragen. r-m-p architekten hatte schon einige Auslandserfahrung mit der Umsetzung von Passivhaus-Projekten und deshalb auch diesen Auftrag gerne angenommen.
 
Die Planung verlief reibungslos und die PHPP Berechnung zeigte das auch mit den lokalen Wetterdaten von Gaziantep ein Passivhaus möglich ist.
Dann ging es an die Umsetzung und bald schon zeigte sich, dass es zur Realisierung nicht nur eine gute Planung, sondern auch erfahrene Handwerker braucht. Die Lüke an praktischem Know How sollte ein türkischer Passivhaus-Consultant schließen – so hoffte zumindest der Bauherr.
Die nachvollziehbare Forderung des Bauherrn nur lokale Produkte verwenden zu wollen, endete jedoch darin, dass sowohl die Fenster als auch Lüftungsanlage und Wärmeversorgung nicht den für ein Passivhaus notwendigen Standards entsprach.
Die Daten wurden von r-m-p in die PHPP-Berechnung übernommen und schnell zeigte sich das dadurch der Passivhaus-Standard verfehlt wurde. Dieses Ergebnis wurde von Consultant aber nicht an den Bauherrn weitergeleitet. Vielmehr versprach dieser auch weiterhin ein zertifiziertes Passivhaus.
Nach dem das Haus mittlerweile fertiggestellt und eröffnet ist, wurde dem Haus von einem renommierten Zertifizierungsbüro der Passivhaus-Standard bestätigt. Wie durch ein Wunder wurde durch eine „neue“ PHPP Berechnung nachgewiesen, dass dieses Gebäude doch ein Passivhaus ist.
Im Moment beschäftigt dieser Fall das Passivhaus Institut in Darmstadt (PHI). Dort wird die vorliegende Berechnung und Zertifizierung überprüft. - Wir dürfen auf das Ergebnis gespannt sein!
 
Was lernen wir daraus?
Die Realisierung eines Passivhauses benötigt nicht nur in Planung und Ausführung viel Sorgfalt und Erfahrung. Auch bei der Berechnung (mittels PHPP) ist Sorgfalt und Zuverlässigkeit gefragt. Die Überprüfung der Qualität eines Passivhauses kann durch eine Zertifizierung sichergestellt werden. Das ist einzigartig. Kein anderer Energiestandard bietet eine solch einmalige Möglichkeit. Aber auch der Zertifizierer ist darauf angewiesen, dass ihm wahre Zahlen, Fakten und Angaben gemacht werden.
 
Deshalb plädieren wir (r-m-p) ausdrücklich dafür mit der Planung und Ausführung immer erfahrene Passivhaus-Planer zu betrauen. Die Abfrage von entsprechenden Referenzen kann hier sehr nützlich sein.